Quelle:GZ vom 09.03.2017

Autor: Michael Eggers

Braunlage. Maximilian Stadl, Björn Langer, Lucie Klemusch, Kevin Rewers und Jan Weddemar vom Schulzentrum nehmen an den Deutschen Meisterschaften von „Formel 1 in der Schule“ teil.

Ihr Modellauto gehörte bei den Rennen um die niedersächsische Meisterschaft in Wolfsburg am Wochenende zu den erfolgreichsten und bescherte den Braunlager Schülern den Vize-Meister-Titel.

Als Team Rocket Science haben sich die 15- und 16-jährigen Jugendlichen an dem anspruchsvollen Projekt beteiligt. Maximilian Stadl, Björn Langer, Lucie Klemusch, Kevin Rewers und Jan Weddemar haben das Auto zunächst selbst am Computer entwickelt, danach nach diesen Plänen gleich vier herstellen lassen und dann in verschiedenen Prozessen optimiert. Die Kosten dafür in Höhe von 4300 Euro haben sie über Sponsoren selbst beschafft.

Technisches Wissen

„Das ist selten, dass Schulen aus dem Harz bei diesem Wettbewerb so weit vorne landen“, sagt Lehrer Thomas Wernicke. Er hat die Gruppe, die aus drei Schülern des Oberharz-Gymnasiums und zwei Oberschülern besteht, am 22. Oktober gegründet. Seit diesem Tag kommen die Nachwuchskonstrukteure regelmäßig zusammen, um erfolgreich bei diesem Projekt zu sein.

Und bei diesem Erfolg war nicht nur technisches Wissen gefragt. Die Schüler mussten Sponsoren finden, die dafür sorgen, dass die Ideen auch umgesetzt werden können. Diese Ideen sind nicht ganz günstig, beispielsweise kosten die Kugellager für das kleine Modellauto bei den Weltmeisterschaften 100 Euro pro Stück, sagt Wernicke. „Die sind dann aus Keramik“, berichtet er weiter. Denn die Kugellager seien extrem wichtig. Die Autos werden über CO2-Patronen angetrieben, die im Heck platziert werden. „Die Beschleunigung endet allerdings bereits nach 0,3 Sekunden. Danach kommt es darauf an, dass die Wagen gut rollen“, erklärt der Lehrer.

Bei den Meisterschaften müssen die verschiedenen Modellautos eine Strecke von 20 Metern zurücklegen. Das Braunlager Auto schaffte die Strecke offiziell in 1,22 Sekunden. „Allerdings bekamen wir eine Strafe von 0,1 Sekunden aufgebrummt, weil an der Achse die Aufhängung um 1,5 Millimeter hervorlugt“, berichtet Wernicke.

Das kleine Modellauto erreichte auf der Strecke eine Geschwindigkeit von mehr als 80 Stundenkilometern. Um dieses Tempo zu erreichen, waren die Braunlager mit den vier Wagen, die sie bei der Firma Lüer in Förste bei Osterode über eine CNC-Fräse fertigten, im Windkanal in der Hochschule Nordhausen. Der sogenannte CW-Wert liegt denn auch bei nur 0,26.

Bei den Deutschen Meisterschaften wird dennoch wohl keines der vier kleinen Autos, die den Braunlagern so viel Erfolg gebracht hatten, am Start sein. „Wir haben bei der Produktion noch Luft nach oben“, sagt Wernicke. So könnte der Modellwagen 1,7Gramm leichter sein, der CW-Wert noch etwas besser, und an der Achse so nichts mehr hervorlugen. „Wir wollen jetzt einen neuen Wagen bauen, mit dem wir an den Deutschen Meisterschaften teilnehmen“, sagt Wernicke. Für diesen Wagen suchen die Braunlager noch Sponsoren.

Keine Serienbriefe

Wenn Maximilian Stadl, Björn Langer, Lucie Klemusch, Kevin Rewers und Jan Weddemar in Neckarsulm erfolgreich sein sollten, würden sie sich für die Weltmeisterschaften qualifizieren. Die werden vom 22. bis 29. September in Kuala Lumpur in Malaysia ausgetragen. Zwar ist in dieser Zeit Schule, aber Lehrer Wernicke ist sich sicher, dass Oberschule und Oberharzgymnasium die Schüler für die Zeit freistellen würden. Einige Probleme könnte dann die Sponsorensuche bereiten, denn so ein Flug nach Südostasien ist ebenso wie das Hotel zum Formel-Eins-Rennen, das parallel zum Schülerwettbewerb in Kuala Lumpur stattfindet, nicht ganz billig.

„Wir haben bei der Sponsorensuche bislang entgegen unserer ersten Planung keine Serienbriefe geschrieben, sondern einfach in den Unternehmen angerufen“, erklärt Kevin Rewers. „Das ist persönlicher.“ Wenn Interesse vorhanden war, sandten die Schüler dann die erklärende E-Mail mit den Modalitäten nach, berichtet der einzige Zehntklässler weiter. Alle anderen Schüler sind in Klasse 9.

Doch vor Kuala Lumpur liegt für die Schüler Neckarsulm, und der Betreuer tritt bereits auf die Bremse. „Für uns ist es ein Erfolg, wenn wir bei den Deutschen Meisterschaften nicht im hinteren Drittel landen“, sagt Wernicke. Die Braunlager seien das erste Mal dabei, und es gebe auf Bundesebene Schulen, die Etats von mehr als 20.000 Euro hätten.

Hintergrund

Das Projekt „Formel 1 in der Schule“ ist ein multidisziplinärer, internationaler Technologie-Wettbewerb, bei dem Schüler von 11 bis 19 Jahren einen Miniatur-Formel-1-Rennwagen am Computer entwickeln, fertigen und anschließend ins Rennen schicken.

Ziel ist es, die von der „großen“ Formel 1 ausgehende Faszination und weltweite Präsenz zu nutzen, um für die Jugend ein aufregendes, spannendes Lernerlebnis zu schaffen, damit das Verständnis und den Einblick in die Bereiche Produktentwicklung, Technologie und Wissenschaft zu verbessern und berufliche Laufbahnen in der Technik aufzuzeigen.

In Regionalwettkämpfen und einer Deutschen Meisterschaft treten die mit Gaspatronen angetriebenen Boliden auf einer 20 Meter langen Rennstrecke gegeneinander an. Das Siegerteam vertritt Deutschland bei der „F1-in-Schools-Weltmeisterschaft“, die jährlich im Vorfeld eines Formel 1 Grand Prix veranstaltet wird.

Entscheidend ist die Teamleistung aus Konstruktion, Fertigung, Reaktionszeit, der Fahrzeuggeschwindigkeit, dem Business­Plan und der Präsentation.

   
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